Automotive-Messtechnik

Überladene Fahrzeuge erfassen – und blitzen

Mit KiTraffic Digital bringt Kistler das Weigh In Motion System mit der bisher größtmöglichen Messgenauigkeit auf den Markt. Das neue System der Messtechnikexperten verspricht eine Genauigkeit von unter zwei Prozent GVW – unabhängig von nahezu allen äußeren Faktoren wie Fahrmanövern oder Straßenbedingungen. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um z.B. Bußgelder für überladene Fahrzeuge automatisch zu verhängen.

Weigh In Motion Technologie ist bereits zu unterschiedlichen Zwecken im Einsatz – etwa zum Schutz von Brücken und Straßen oder zur Erhebung von Daten für Statistiken. Sensoren im Fahrbahnbelag erfassen dabei das Gewicht der Fahrzeuge während der Fahrt, ohne dass der Verkehrsfluss beeinträchtigt wird. Überladene Fahrzeuge direkt nach dem Wiegen zu blitzen, wie man es aus Geschwindigkeitskontrollen kennt, war mit der Technik bisher allerdings kaum möglich. Für das sogenannte Direct Enforcement, also die automatisierte Erfassung der Fahrzeugdaten mit anschließendem Gebührenbescheid, ist in den meisten Ländern eine Messung mit zertifizierten, statischen Waagen gesetzlich gefordert. Die Behörden müssen sich auch dann auf die Messergebnisse verlassen können, wenn beispielsweise die Straßenqualität suboptimal ist oder ein Fahrzeug schräg über den Sensor fährt. An den meisten Messstationen, an denen Bußgelder für überladene Fahrzeuge verhängt werden, ist die Weigh In Motion Technologie deshalb primär zum Vorselektieren im Einsatz. In einer nachgelagerten Kontrolle müssen Beamte das Messergebnis mithilfe einer statischen Fahrzeugwaage verifizieren und können erst dann den Fahrer zur Kasse bitten.

Mehrere individuell messende Sensoren

Dem Schweizer Unternehmen Kistler ist es mit KiTraffic Digital nun gelungen, eine Lösung auf den Markt zu bringen, die eine deutlich verbesserte Messgenauigkeit zulässt und somit Direct Enforcement nach der Anpassung von gesetzlichen Vorgaben ermöglicht. Im komplett neu entwickelten Sensor sind mehrere Quarzkristalle verbaut, die unabhängig voneinander Daten über eine digitale Schnittstelle liefern. Das digitale Messsignal erlaubt eine individuelle Kalibrierung jedes Quarzkristalls und verhindert Signalstörungen auf dem Übertragungsweg. Ausgereifte Algorithmen berechnen aus den Messsignalen Rad-, Achs- und Gesamtgewicht von jedem Fahrzeug. Dank offener Standardschnittstellen lässt sich das System problemlos in Verkehrsüberwachungssysteme von Drittanbietern integrieren.

Auch andere potenzielle Fehlerquellen können dank dem neuen Lineas Digital außer Acht gelassen werden. So liefert der Sensor beispielsweise selbst dann verlässliche Ergebnisse, wenn das zu messende Fahrzeug gerade zu einem Überholmanöver ansetzt und schräg über die Weigh In Motion Sensoranordnung fährt. Die Überwachung kann dabei auf beliebig vielen Fahrspuren durchgeführt werden. Die Sensorik gibt außerdem Aufschluss darüber, ob ein Fahrzeug mit Einfach- oder Doppelbereifung unterwegs ist und kann Rückschlüsse auf den Zustand der Reifen ziehen. Das neue System erfasst diese Informationen automatisch, ohne dass zusätzliche Hardware vonnöten ist. Im Gegenteil: Sogar auf die bisher notwendigen Induktionsschleifen zur Fahrzeugdetektierung kann mit KiTraffic Digital verzichtet werden.