Konferenz

Experten treffen sich zur EMVA Business Conference

Experten treffen sich zur EMVA Business Conference

Mit einer Beteiligung von 135 Teilnehmern aus 23 Nationen fand die 19. EMVA Business Conference Special Edition 2021 online statt. Insgesamt 20 Vorträge, zwei Kamingespräche und zwei CEO/Management-Podiumsdiskussionen deckten nahezu alle aktuellen wirtschaftlichen und technischen Themen ab, mit denen sich die Bildverarbeitungswelt derzeit beschäftigt. In den einzelnen B2B-Sessions wurden vor und nach dem Konferenzprogramm am Nachmittag rund 90 virtuelle bilaterale Video-Meetings zwischen den Konferenzteilnehmern vereinbart.

Fast 95 Prozent der Teilnehmer begrüßten in ihrem Feedback die Entscheidung der EMVA, die Konferenz im Online-Format anzubieten, anstatt sie abzusagen. Hier ein paar der persönlichen Kommentare zur Konferenz:

"Das Beste, was man tun kann, um in sehr komprimierter Form etwas über die innovativen Trends in der Welt der industriellen Bildverarbeitung zu erfahren und sich inspirieren zu lassen."
"Wie immer exzellente Organisation, toller Job von allen, besonders in solch schwierigen Zeiten!"
"Wieder einmal, obwohl es seltsam war, nicht von Angesicht zu Angesicht zu sein, hat die EMVA mit der Organisation der Veranstaltung nicht enttäuscht."
"Danke, dass Sie eine großartige Veranstaltung auf die Beine gestellt haben und den Zeitplan so angepasst haben, dass er den nordamerikanischen Teilnehmern entgegenkommt."

Das hochkarätige Panel am zweiten Konferenztag diskutierte den aktuellen Stand von Industrie 4.0 und stellte fest, dass der Begriff Industrie 4.0 mit KI und maschinellem Sehen als Kernkomponenten, etwa bei der Erstellung digitaler Zwillinge, bereits selbst zum Standard geworden ist. Allerdings seien industrielle Geschäftsmodelle oft nicht so disruptiv wie im Endverbrauchergeschäft, wo z.B. das Smartphone einen Paradigmenwechsel auslöste, sondern würden eher auf die Verbesserung von Geschäftsmodellen statt auf neue Geschäftsmodelle setzen. Mehr Daten, so die Podiumsteilnehmer, erfordern auch einen zunehmenden Einsatz von KI und die Digitalisierung trägt automatisch zur Dekarbonisierung bei. KI, so wurde festgestellt, kann die richtigen Daten zur richtigen Zeit liefern, um die richtige Entscheidung in der Industrie 4.0 zu treffen.

KI als Megatrend in der Bildverarbeitungsbranche war in verschiedenen technischen Teilen der Konferenzsessions präsent. Die Keynote am zweiten Tag, die von IBM Benelux CTO Wouter Denayer gehalten wurde, reflektierte die aktuellen Entwicklungen, die versprechen, die grundlegende Struktur neuronaler Netzwerke in Richtung neuronaler symbolischer KI-Systeme zu verändern. Einfach nur die Netzwerke größer zu machen, würde in Zukunft nicht mehr helfen, und die Steigerung der Genauigkeit beim Training von KI stehe nicht mehr im Verhältnis zum Energieaufwand und der Umweltverschmutzung, was den CO2-Fußabdruck von KI ungerechtfertigt mache. Oder wie es EMVA-Präsident Chris Yates in seiner Konferenznachlese formulierte: "Mit großer Macht kommt große Verantwortung".

Diese Konferenz bot auch Raum, um Early-Stage-Innovatoren in den Fokus zu rücken: Nicht weniger als sechs Unternehmen in der Initial- oder Post-Start-up-Phase präsentierten ihre Innovationen, die um das große Thema KI und Deep Learning kreisen und sich auf Logistik und komplexe Prüfaufgaben in der Fabrikhalle konzentrieren. Weitere neue Ansätze wurden im Bereich des Feature-basierten und variablen Dichte-3D-Scannens, der berührungslosen Rückverfolgbarkeit von Artikeln mit einem digitalen Bild und der Kombination von Gehirn und KI zu einem innovativen Entscheidungssystem vorgestellt.

Die CEO-Podiumsdiskussion zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Bildverarbeitungsindustrie ergab, dass die Bildverarbeitungstechnik aufgrund ihres vertikalen Marktfokus die Krise insgesamt recht gut bewältigt hat. Die Geschäftserwartungen der Firmenchefs von Stemmer Imaging, Basler und Tiama Inspection waren sogar, dass das Geschäftsniveau vor der Pandemie im laufenden Jahr 2021 wieder erreicht werden kann. Ein Hindernis könnte allerdings die anhaltende Materialknappheit sein, die nahezu alle Komponenten betrifft. Darüber hinaus lehrte Covid-19, dass in allen Regionen der Geschäftstätigkeit mehr Elemente der Wertschöpfung näher an den Kunden rücken müssen, um vor Ort reagieren zu können. Die Krise war ein großer Anstoß für Fernwartung und Webinar-Business-Meetings, die Reisekosten einsparen, was die physischen Meetings auch bei Aufhebung der Beschränkungen niedriger halten wird.
In einer weiteren Präsentation gab das European Photonics Industry Consortium (EPIC) die Einführung des ersten von einem Industrieverband geführten Photonics-Index bekannt. Dieser setzt sich aus 65 börsennotierten Unternehmen zusammen, von denen eine ganze Reihe aus der Welt der Bildverarbeitung stammen. Der Index ist eine hervorragende Möglichkeit, die Investorengemeinschaft zu erreichen.

Die Messe Stuttgart gab dann einen Einblick, wie der Messeveranstalter in der Pandemie gelitten hat. Am wichtigsten für die Bildverarbeitungsindustrie ist, dass die Messe Stuttgart um etwas mehr Geduld bezüglich der endgültigen Entscheidung bittet, ob die VISION 2021 stattfinden wird, da derzeit die Interessenvertreter befragt werden; mit bisher eher guter Stimmung in der Industrie, aber gemischtem Feedback der Unternehmen, wenn es um die Ausstellung geht.

Die Sitzung zur hyperspektralen Bildgebung fasste zusammen, dass die HSI-Technologie auf dem Markt schnell an Bedeutung gewinnt, da sie einfacher zu bedienen und erschwinglicher geworden ist. Es wurde darauf hingewiesen, dass mit der hyperspektralen Bildgebung eine zusätzliche Informationsebene über die Beschaffenheit und Konsistenz eines Objekts entsteht.
Die industrielle Bildverarbeitung in China stand im Mittelpunkt des zweiten Kamingesprächs. Elektronik und Halbleiter sind laut CMVU-Präsidentin Isabel Yang die größten industriellen Anwenderbranchen der industriellen Bildverarbeitung in China. Das Land erlebt nach der Krise einen enormen 30-prozentigen Anstieg des Geschäfts, der vor allem durch einen steigenden Automatisierungsgrad vorangetrieben wird. Die 3D-Bildverarbeitung findet viel Aufmerksamkeit, was zur Gründung einer 3D-Standardgruppe führte. Auch die IR-Bildgebung gewinnt an Aufmerksamkeit.

Die nächste physische 20. EMVA Business Conference findet vom 12. bis 14. Mai 2022 in Sofia, Bulgarien, statt.