Umfrage

Kommt der Boom in der Industrie nach Corona?

Das Corona-Virus hat uns alle fest im Griff, auch wenn in einigen Bundesländern seit Kurzem Lockerungen ausgesprochen wurden. Die Industrie ist natürlich auch stark davon betroffen. Die Redaktion messweb hat sich in Unternehmen umgehört und nachgefragt, ob der Boom in der Industrie nach Corona kommt? Lesen Sie die Antworten:

„Wie geht es weiter? Was kommt nach Corona? Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass von jetzt auf gleich alles anders sein kann. Sie haben aber auch gezeigt, dass es trotzdem immer weitergeht und dass neue Wege beherzt beschritten werden. Das zeigt gleichermaßen, wie ungewiss die Zukunft ist und dass wir uns trotzdem schnell anpassen können. Ich denke, dass wir – die Industrie – nach überstandener Krise dort weitermachen werden, wo vieles so abrupt geendet hat.“

Miriam Schreiber, Marketing Leiterin Vision Components GmbH

„Dadurch, dass wir uns auf das Messen Steuern und Regeln von Flüssigkeiten und Gasen konzentriert, sind wir nicht abhängig von speziellen Branchen. Im Moment boomen beispielsweise die Beatmungsgerätetechnik oder bestimmte Bereiche der In-Vitro-Diagnostik, und sicherlich wird es nach Corona in vielen Bereichen – sofern diese noch existieren – zu Nachholeffekten kommen. Man sollte hier aber nicht auf einen Aufschwung hin spekulieren, sondern die Nachhaltigkeit der Marktentwicklung im Auge behalten.“

Heribert Rohrbeck, CEO Bürkert Fluid Control Systems

"Wann in der deutschen Industrie wieder so etwas wie Normalität herrscht, das ist ungewiss. Sicher ist: Unternehmen werden die Krise und einen möglichen Boom danach ganz unterschiedlich erleben. Je nachdem, in welcher Branche und in welchen Regionen sie tätig sind. Wir erleben gerade rückläufige genauso wie jetzt schon florierende Branchen, etwa die Medizintechnik. Auch die Lockerungen in Asien spüren wir positiv. Zudem kann die Corona-Krise in Deutschland einen Schub für Digitalisierung und Industrie 4.0 bedeuten, wovon Sensorik-Hersteller profitieren werden."

Ralf Müller, Head of Sales, NCTE AG

„Natürlich kommt der Boom – das war bisher nach den Krisen 2001 und 2008 immer so. Die Frage ist wie schnell das gehen wird und wie hoch der Nachholeffekt ausfallen wird. Wir sehen jetzt während der Krise gesteigerte Aktivitäten von bestimmten Kunden, die nach der Krise gestärkt mit neuen und innovativen Produkten punkten wollen und einen möglichen Rückstand zu Marktführern aufholen wollen.“

Axel Krepil, VP Sales & Support, Framos GmbH

„Wenngleich Deutschland die Krise im Vergleich zu vielen anderen Ländern sicherlich besser meistern wird, glauben wir nicht an einen anschließenden Boom, sondern gehen von einer längeren Phase der Stabilisierung und Marktbereinigung aus. Chancen und Wachstum sehen wir in den aktuellen Megatrends, die auch nach der Krise boomen werden wie Elektromobilität, Bahn- und Flugindustrie, Digitalisierung, Big und Smart Data sowie Künstliche Intelligenz. Wer hierzu etwas Sinnvolles beiträgt wird Marktrelevant sein und wachsen. imc wird auch in der Krise alle Mitarbeiter halten, um dann mit voller Kapazität Entwicklungsprojekte und Megatrends mit unseren Kunden zu verwirklichen.“

Kai Gilbert, Geschäftsführer der imc Test & Measurement GmbH

"In der aktuellen Situation sind Prognosen äußert schwierig, da neben lokalen Maßnahmen auch globale Lieferketten, Reisebeschränkungen und vor allem das globale Finanz- und Bankensystem nicht unerhebliche Risiken in sich tragen. Die Hoffnung ist jedoch, dass nach Lockerung der Corona-Virus Maßnahmen wieder auf bisher funktionierende Mechanismen zurückgegriffen werden kann und eine schrittweise Erholung der globalen Wirtschaft erfolgt. Am stärksten werden global ganz kleine Firmen und Betriebe betroffen sein. Es ist die Politik gefragt, durch Hilfsprogramme größeren Schaden für die Bevölkerung und vor allem für die kleinen und mittelständischen Unternehmen abzufedern."

Christian Fischer, Head of Marketing, Siko GmbH

"Diese Frage ist für unsere Industrie nicht einfach zu beantworten. Ein wirtschaftlicher Aufschwung wird sehr branchen- und regionenabhängig sein. Beispielsweise gibt es Branchen, die bereits in der Krise eine hohe Nachfrage haben und bei uns für volle Auslastung sorgen. Entscheidend wird ein gutes Management der Supply Chain sein, sowohl auf Lieferanten- als auch auf Kundenseite. Novotechnik hat es bisher geschafft, durch gutes Lieferantenmanagement sowie umsichtigen Maßnahmen in der Produktion, die Versorgung der Kunden aufrecht zu erhalten und diese bereits während der Krise weiterhin mit Teilen zu versorgen. Wir gehen davon aus, dass die Verlässlichkeit in der Krise auch für gute Geschäfte nach der Krise sorgen wird."

Torsten Wegner, Geschäftsführer CEO/CMO Novotechnik Messwertaufnehmer OHG

"Normalerweise wäre die Antwort auf diese Frage ein klares „Ja“ – denn bisher ging es nach jeder Krise wirtschaftlich deutlich nach oben. Doch diesmal liegt der Fall anders. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das der Autor Nassim Taleb als „schwarzen Schwan“ bezeichnet. Das ist ein wirkunsmächtiges Ereignis, das alle Beteiligten absolut unvorbereitet trifft und für das es keinerlei Prognosemodelle gibt. Zu viele Fragen sind rund um COVID 19 noch ungeklärt: Sind einmal Infizierte immun und wenn ja für wie lange? Wie oft muss die Welt noch in den Lockdown-Modus geschickt werden, bis ein Impfstoff verfügbar ist? Steht vielleicht sogar das ganze Modell der Globalisierung mit seinen internationalen Lieferketten und der grenzenlosen Vernetzung auf dem Prüfstand? Einzelne Branchen werden nach der Krise definitiv einen Aufschwung erleben. Doch ob das ausreicht, um einen flächendeckenden Boom auszulösen erscheint derzeit mehr als fraglich."

Michael Brosig, Pressesprecher, JUMO GmbH & Co. KG

"Die COVID-19 Krise verändert grundsätzlich und global das zukünftige Kauf- und Konsumverhalten der Menschheit. Dies wird voraussichtlich deutliche Veränderungen im Angebot von Waren und Dienstleistungen mit sich bringen. Wir erwarten einen Boom, aber einen differenzierten: Einige Branchen werden stark profitieren, andere werden sich langsamer oder aufgrund von Substitutionstechnologien nicht mehr vollständig erholen. Mit unseren Produkten und Leistungen für die wirkungsvolle Umsetzung von IIoT- und Industrie 4.0-Applikationen, sowie Fernwartung, Fernzugriff und Datenvisualisierung, bieten wir Lösungen für eine schnelle und nachhaltige Wettbewerbsstärkung unserer Kunden. Damit unsere Kunden keine Zeit verlieren, bieten wir gezielt Webinare, Webmeetings oder Videobesprechungen zu diesen Themen an. Es gilt sich schon jetzt auf die zukünftigen Veränderungen konsequent vorzubereiten."

Robert Wachendorff, Geschäftsführender Gesellschafter, Wachendorff Prozesstechnik GmbH & Cio. KG und Wachendorff Automation GmbH & Co. KG

"Meiner Einschätzung nach wird die Erholung beziehungsweise der „Boom“ unterschiedlich je nach Region und Wirtschaftszweig ausfallen. Gründe dafür sind beispielsweise begrenzte Kapazitäten in den Wirtschaftszweigen oder das verfügbare Kapital für Investitionen in den verschiedenen Regionen. Je länger sich diese Krise hinzieht desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein struktureller Wandel vollzieht, dessen Ausgang ungewiss ist."

Steffen Dieterle, CCO bei der Sensor-Technik Wiedemann GmbH (STW)

„Diese Frage stellen wir uns gerade natürlich alle selbst. Eine Antwort gleicht unter den aktuellen Rahmenbedingungen einem Lesen in der Kristallkugel: Die große Unbekannte ist der Faktor Zeit mit der Frage wie lange der momentane Zustand noch anhält. Sollte die Industrie ab jetzt tatsächlich wieder langsam aber kontinuierlich hochfahren, dann steht einem mittelfristigen Boom nichts im Wege, da das Geld noch vorhanden ist.“

Jan-Erik Schmitt, Geschäftsführer Vision Components GmbH

"Wir liefern Produkte und Wissen für die industriellen Digitalisierung – ohne Risiko. Bei uns geht es aktuell ungebremst, oder sogar deutlich gesteigert weiter. Wirtschaftlich bereiten wir uns trotzdem auf eine deutliche Rezession in den nächsten 6 bis 24 Monaten vor. Einen echten "Boom" schließe ich aus heutiger Sicht aus."

Burkhard Schranz, geschäftsführender Gesellschafter der optiMEAS GmbH