Interview

„Auf dem Weg zur intelligenten Mehrkomponenten-Messtechnik“

„Auf dem Weg zur intelligenten Mehrkomponenten-Messtechnik“

Mehrkomponenten-Messtechnik steht vor einem grundlegenden Wandel: weg von analogen Systemen, hin zu digitalen, vernetzten Lösungen. Im Interview erläutert Paul Zolnierek, Technischer Geschäftsführer bei der GTM Testing and Metrology GmbH, was es bedeutet, Messtechnik „intelligent“ zu machen, welchen Mehrwert Kunden davon haben und wie digitale Messketten, Sensorik und Kalibrierung künftig zusammenspielen.

Sie verfolgen bei GTM das Ziel, Mehrkomponenten-Messtechnik intelligenter zu machen. Was bedeutet das konkret – und was ist dafür notwendig?

 „Intelligent machen“ bedeutet zunächst einmal, die Messtechnik aus der analogen Welt in die digitale zu überführen. Ohne digitale Datenverarbeitung ist keine echte Intelligenz möglich. Die heutige Mehrkomponenten-Messtechnik ist in vielen Bereichen noch analog – und genau das ist der Ausgangspunkt. Wir arbeiten daran, die Systeme mit Elektronik zu erweitern und vollständig zu digitalisieren. Erst wenn die entsprechende Hardware vorhanden ist, lassen sich weiterführende Funktionen realisieren – von einfachen Algorithmen bis hin zu KI-Anwendungen.

Sie entwickeln diese Lösungen nicht für sich selbst, sondern für Ihre Kunden. Wo liegt für diese der konkrete Mehrwert?

Der größte Mehrwert liegt darin, dass der Kunde bei uns alles aus einer Hand bekommt – von der Messtechnik bis zur Kalibrierung. Natürlich kann er sich auch heute schon eine Messkette aus einzelnen Komponenten selbst zusammenstellen – das funktioniert. Wir möchten aber ein vollständig integriertes System liefern, inklusive Elektronik, Sensorik und Messtechnik, bei dem auch die Kalibrierung in-house durchgeführt wird, mit einem zentralen Ansprechpartner für die gesamte Lösung. 

Das heißt, Sie integrieren die Elektronik direkt in den Sensor?

Genau. Was heute teilweise noch räumlich getrennt ist – etwa Sensor und Messgerät – bringen wir so nah wie möglich zusammen. Die Herausforderung besteht darin, ein früheres Labormessgerät im 19-Zoll-Rack-Format auf eine Größe zu reduzieren, die direkt in den Sensor passt. Das ist anspruchsvoll, aber technisch lösbar.

Ist es auch denkbar, mehrere Messgrößen in einem System zu erfassen – Stichwort Multi-Physics?

Ja, das ist absolut denkbar. Neben Kraft- oder Drehmomentmessung können auch weitere physikalische Größen wie Temperatur, Luftfeuchte oder Lichtverhältnisse integriert werden, sofern sie für die jeweilige Anwendung relevant sind. Unser Fokus liegt allerdings klar auf der Messung von Kräften und Drehmomenten. Erweiterungen sind möglich, gehören aber nicht zu unserem Kerngeschäft.

Das Thema Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig. Welche Rolle spielt KI aktuell in Ihrer Messtechnik?

Wir stehen hier noch am Anfang. Unsere Kunden setzen KI bereits ein, benötigen dafür aber hochwertige und zuverlässige Daten. Genau hier sehen wir unsere Stärke: als Datenlieferant. Unsere Sensoren und Messsysteme erfassen die Daten, die anschließend in KI-Systeme eingespeist werden. Eigene KI-Funktionen wären ein möglicher nächster Schritt, wenn die Sensoren selbst intelligenter geworden sind. Allerdings muss man sehr genau unterscheiden: Vieles, was heute als KI bezeichnet wird, ist in Wahrheit klassische Algorithmik. Der Begriff wird inflationär verwendet.

Wie könnte eine ideale Messkette der Zukunft aussehen?

Die Idealvorstellung ist eine vollständig digitale Messkette. Der Kunde bestellt einen Mehrkomponentenaufnehmer und erhält ihn inklusive digitalem Kalibrierschein. Dieser wird beim Einbau automatisch ins System eingelesen und kann beispielsweise direkt ins ERP übertragen werden. Der Sensor meldet sich selbstständig, wenn eine Kalibrierung ansteht – entweder beim Servicetechniker oder direkt bei uns. Wir können dann proaktiv einen Kalibriertermin vorschlagen. Der Kunde muss den Sensor nur noch ausbauen und einschicken oder erhält bei Bedarf ein Ersatzgerät.

Ist auch ein Austauschgerät während der Kalibrierung möglich?

Ja, das hängt von der jeweiligen Anwendung ab. In vielen Fällen plant der Kunde Wartungsfenster ein, in denen die Maschine ohnehin stillsteht. In anderen Fällen stellen wir ein Ersatzgerät zur Verfügung. Mit digitalen Kalibrierscheinen und vernetzten Systemen wird dieser Prozess deutlich einfacher als heute.

Ein Blick in die Zukunft: Wird Messtechnik künftig eher als Service statt als Produkt verkauft?

Sensor-as-a-Service ist ein spannender Ansatz und wird bereits diskutiert. Technologisch wäre vieles möglich, insbesondere mit digitaler Kalibrierung. Allerdings bewegen wir uns in einem stark regulierten Umfeld, etwa durch Normen und Institutionen wie die PTB. Es braucht hier nicht nur technologische Lösungen, sondern auch ein Umdenken in den relevanten Gremien und bei den Kunden. Der Austausch dazu findet bereits statt, auch wenn wir noch nicht an dem Punkt sind, solche Modelle breit umzusetzen.

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