Marktcheck
Verbraucherzentrale kritisiert Kindersnacks im Drogeriemarkt
Mehr als 1.430 Kindersnacks hat die Verbraucherzentrale Hessen in sechs Drogeriemärkten in Gießen und Frankfurt gezählt. Das Ergebnis: Das Sortiment besteht überwiegend aus stark verarbeiteten Produkten. Viele enthalten viel Zucker oder Salz, während Verpackungen und Werbeaussagen oft einen gesundheitlichen Vorteil suggerieren.
Kindersnacks füllen in vielen Drogeriemärkten mehrere Regalmeter. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen zeigt jedoch: Die große Auswahl bedeutet nicht automatisch eine bessere Ernährung für Kinder. Gefunden wurden mehr als 1.430 Produkte in sechs Drogeriemärkten in Gießen und Frankfurt – im Durchschnitt knapp 240 verschiedene Kindersnacks pro Markt.
Besonders häufig vertreten sind sogenannte Quetschies. Rund 40 Prozent des gesamten Angebots entfielen auf die Fruchtpürees im Beutel. Die Verbraucherzentrale Hessen weist darauf hin, dass das Netzwerk Gesund ins Leben Quetschies nicht als regelmäßigen Snack empfiehlt. Durch das Nuckeln am Beutel und das fehlende Kauen könne unter anderem das Kariesrisiko steigen. Zudem enthalten viele Produkte große Mengen Zucker, sättigen aber schlechter als frisches Obst. Einzelne Quetschies liefern bereits etwa die Hälfte der täglich empfohlenen maximalen Zuckermenge für Kinder.
Auf den Quetschie folgen gepuffte Getreidesnacks wie Reiswaffeln oder Maispuffs. Diese enthalten häufig weniger Zucker und Salz, sollten laut Verbraucherzentrale aber ebenfalls nicht unbegrenzt verzehrt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt insbesondere bei Reisprodukten für Säuglinge und Kleinkinder, diese nur in Maßen zu konsumieren und mit anderen Getreidearten abzuwechseln.
Ebenfalls weit verbreitet sind Frucht- und Getreideriegel, Kinderkekse, Waffeln sowie salzige Knabbereien. Viele dieser Produkte enthalten laut Verbraucherzentrale Hessen relevante Mengen an Zucker oder Salz und unterscheiden sich damit kaum von herkömmlichen Snacks. „Das riesige Angebot vermittelt den Eindruck, Kinder bräuchten spezielle Snacks. Gleichzeitig suggerieren viele Produkte durch ihre Aufmachung und Werbeaussagen wie ‚ohne Zuckerzusatz‘ oder ‚Süße nur aus Datteln‘ einen gesundheitlichen Mehrwert, den sie oft nicht bieten“, sagt Stella Glogowski, Fachgruppenleitung Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hessen.
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale sind spezielle Kinderlebensmittel für eine ausgewogene Ernährung nicht notwendig. Kinder könnten ab dem ersten Geburtstag grundsätzlich die gleichen Lebensmittel wie Erwachsene essen – altersgerecht zubereitet und ausgewogen zusammengestellt.
Bunte Verpackungen sollen Kaufentscheidungen beeinflussen
Neben der Zusammensetzung der Produkte kritisiert die Verbraucherzentrale auch das Marketing. Einhörner, Comicfiguren und farbenfrohe Verpackungen richten sich gezielt an Kinder und sollen die Produkte besonders attraktiv machen. Gleichzeitig erwecken Aussagen wie „für Kinder“ oder „ohne Zuckerzusatz“ häufig den Eindruck eines gesundheitlichen Vorteils. „Kindersnacks unterliegen keinen besonderen ernährungsphysiologischen Anforderungen. Eltern sollten sich nicht von der Aufmachung, sondern von der Zutatenliste und der Nährwerttabelle leiten lassen“, erklärt Glogowski.
Beim Einkauf empfiehlt die Verbraucherzentrale Hessen, auf einen möglichst geringen Zucker- und Salzgehalt sowie einen hohen Vollkornanteil zu achten. Als Alternativen nennt sie unter anderem geschnittenes Obst und Gemüse, belegte Vollkornbrote, Brotspieße, selbstgemachte Gemüsewaffeln oder Haferkekse.
Zudem sollten Eltern ihre Einkäufe möglichst planen und sich nicht durch auffällige Verpackungen oder die Platzierung der Kindersnacks direkt neben Windeln und Babypflegeprodukten zu spontanen Käufen verleiten lassen.
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