Infrarot-Messtechnik

Brandrisiken erkennen, bevor sie entstehen

Brandrisiken erkennen, bevor sie entstehen

Temperatur ist in Industrieanlagen ein entscheidender Frühindikator. Moderne Infrarotsysteme erkennen kritische Aufheizungen frühzeitig – noch bevor Rauch sichtbar wird. So lassen sich Brände verhindern, Schäden minimieren und Menschen wie Anlagen zuverlässig schützen. 

In Industrieanlagen kann der rechtzeitige Blick auf kritische Temperaturentwicklungen darüber entscheiden, ob Prozesse stabil laufen oder es zu Stillständen, Schäden und sogar Bränden mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt kommt. Besonders gefährdet sind Bereiche, in denen brennbare oder reaktive Materialien lagern oder verarbeitet werden. Dazu zählen beispielsweise Abfälle, Recyclingmaterialien, Papier oder Holz. Zunehmend spielen auch falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus eine Rolle. Bereits bei Anlieferung oder Umlagerung können sie durch mechanische Beschädigungen schlagartig hohe Temperaturen erzeugen – eine der größten aktuellen Herausforderungen für Recyclingunternehmen. 

Temperatur als zentraler Frühindikator 

Temperaturverläufe zeigen oft schon früh, ob in überwachten Bereichen ein Brandrisiko entsteht. Temperaturverläufe sind ein verlässlicher Frühindikator für Brandrisiken. Noch bevor Rauch sichtbar wird, lassen sich über berührungslose Infrarotmessungen kritische Aufheizungen zuverlässig erkennen. Unentdeckte Entwicklungen können nicht nur Brände auslösen, sondern auch massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen – von der Unterbrechung der Produktion bis hin zum Totalverlust von Anlagen und Gütern. Besonders bei Lithium-Ionen-Akkus kommt es oft zu sprunghaften Temperaturanstiegen, die ohne schnelle Erkennung kaum beherrschbar sind. Daher ist eine kontinuierliche Temperaturkontrolle ein zentrales Element des vorbeugenden Brandschutzes. Bereits geringe Anstiege können auf die Entstehung von kritischen Situationen hinweisen. Moderne Infrarotsysteme erfassen solche Entwicklungen kontaktlos, präzise und zuverlässig – auch unter staubigen oder thermisch anspruchsvollen Bedingungen. Hochauflösende Wärmebildkameras, intelligente Auswertesoftware und robuste Systemkomponenten identifizieren gefährdete Bereiche frühzeitig, bevor ein offenes Feuer entsteht. Für Betreiber bedeutet das wertvolle Zeit, um gezielt zu reagieren und Schäden wirksam zu verhindern. 

Typische Gefahrenbereiche 

Besonders gefährdet sind Bereiche, in denen brennbare oder reaktive Materialien lagern oder verarbeitet werden. Dazu zählen beispielsweise:  

  • Müllbunker und Verbrennungsanlagen 
  • Recycling- und Sortieranlagen 
  • Papier- und Holzindustrie 
  • Reifen- und Rohstofflager 

Gerade in diesen Branchen zeigt sich: Wer Temperatur kontinuierlich überwacht, erkennt Risiken frühzeitig – und verhindert Schäden, bevor sie entstehen. 

Technik, die Extremsituationen standhält 

Die Anforderungen an ein Infrarot-Brandfrüherkennungssystem bezüglich Qualität und Zuverlässigkeit sind sehr hoch. Auch Staub, Feuchtigkeit und extreme Umgebungstemperaturen machen den Einsatz konventioneller Messsysteme schwierig. Da sich Brände innerhalb weniger Minuten sehr schnell ausbreiten können, muss die Brandfrüherkennung auch bei großen zu überwachenden Flächen sehr schnell und mit hoher Auflösung geschehen. Die erforderlichen Eigenschaften sind in der VdS-Richtlinie 3189 zu IR-Kameraeinrichtungen zur Temperaturüberwachung im Brandschutz enthalten. Die Zertifizierung bietet Betreibern zudem Sicherheit gegenüber Versicherern. Brandfrüherkennungssysteme wie PYROVIEW FDS sind deshalb auf harte Einsatzbedingungen und für den zuverlässigen 24/7-Dauerbetrieb zugeschnitten: 

  • Hochauflösende Infrarotkameras mit großem Temperaturmessbereich (–20 °C bis 350 °C, optional bis 500 °C) 
  • Edelstahl-Industrieschutzgehäuse mit integrierter Luftspülung zur Verhinderung von Objektivverschmutzungen oder Wetterschutzgehäuse mit Heizung und hartbeschichtetem Infrarot-Fenster 
  • Schwenk-Neige-Kopf für 360°-Überwachung großer Flächen 
  • Referenzstrahler für automatische Selbstüberprüfung und Funktionssicherheit 
  • I/O-System (programmierbarer Buscontroller), Überwachung Systemstatus, Übertragung zum PC, Alarmierung über Digital Output und weitere Schnittstellen 
  • Industrie-PC und Netzversorgung/USV 

Intelligente Software als Herzstück 

Hardware allein reicht nicht aus. Erst durch eine Thermografie-Software wie PYROSOFT FDS wird das System zur intelligenten Lösung: 

  • Hotspot-Detektion in Echtzeit, auch bei großflächiger Überwachung mit bis zu 32 Kameras 
  • Intelligente Algorithmen, die Täuschungsalarme minimieren 
  • Individuelle Schwellenwerte für Vor- und Hauptalarme 
  • Anbindung an Leitsysteme und Löschanlagen 
  • Mobile App-Zugriff, um Statusdaten und Live-Bilder jederzeit einzusehen 

Besonders wirksam ist das Zusammenspiel mit automatischen Löschsystemen. Nur wenn Detektion und Löschsystem vernetzt sind, lassen sich Schäden schnell und wirksam eindämmen.  

Das System unterscheidet kritische Muster von harmlosen Schwankungen und sorgt dafür, dass Alarme nur dann ausgelöst werden, wenn es wirklich zählt. 

Branchen und Praxisbeispiele 

Die Nachfrage nach berührungsloser Temperaturüberwachung steigt branchenübergreifend. Besonders in der Recycling- und Papierindustrie, aber auch im Energiesektor und in der Chemie, ist Brandfrüherkennung längst ein zentraler Bestandteil der Sicherheitskonzepte. 

  • Bei KS Logistik überwacht ein PYROVIEW-FDS-System die Lagerung von Akkus für Solarspeicher. 
  • Bei Airbus in Manching wird eine Instandhaltungshalle für Flugzeuge mit Infrarotkameras gesichert. 
  • In Österreich erkannte das System bei Müllex innerhalb von 55 Sekunden einen Brand in einer Lagerhalle und leitete automatisch den Löschangriff ein – größere Schäden wurden verhindert. 

Temperatur ist mehr als nur eine Messgröße – sie ist ein Frühwarnsignal. Systeme wie PYROVIEW FDS machen aus Messdaten handfeste Sicherheit – präzise, robust und praxisbewährt. Ob in Abfallwirtschaft, Recycling oder Industrie – wer Temperatur als Indikator nutzt, schützt nicht nur Anlagen und Prozesse, sondern auch Menschen und Umwelt. 
 

Autor: Torsten Welz arbeitet als Projektleiter mit dem Schwerpunkt Brandfrüherkennungssysteme bei DIAS Infrared 

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