I/O-Module

„Messdaten sicher. Prozesse zukunftsfähig.“

Vom Sensor bis zur Cloud – wie wird IIoT ganzheitlich gedacht? Thomas Hasenöhrl, Vice President IIoT Systems & Solutions bei Wika, spricht mit GO>>ing-Chefredakteur Dirk Schaar über LoRaWAN, Datensicherheit und Plug-and-Play in der Industrie – und warum echte Mehrwerte erst im Zusammenspiel aller Komponenten entstehen.

Bei Ihrer Teilnahme an der Hannover Messe 2026 stehen die ganzheitlichen WIKA-IIoT-Lösungen im Vordergrund. Was bedeutet „ganzheitlich“ konkret – vom Sensor bis zur Systemintegration?

Ganzheitlichkeit bedeutet für uns, unseren Kunden eine vollständige, durchgängige Lösung aus einer Hand zu bieten – vom Sensor bis zur Cloud. Wir denken in End-to-End-Prozessen und stellen sicher, dass alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind: intelligente Sensorik, leistungsfähige Systeme, sichere Konnektivität, skalierbare Cloud‑Plattformen und die passenden Software‑Applikationen. Dabei endet unser Anspruch nicht bei der Technologie.
Zum Gesamtsystem gehört für uns immer auch der passende Service: Beratung, Integration, Betrieb, Support und kontinuierliche Optimierung. So schaffen wir Lösungen, die zuverlässig funktionieren, langfristig Wert schaffen und unsere Kunden nachhaltig entlasten. Wir liefern nicht nur Produkte – wir liefern eine Komplettlösung. Ganzheitlich. Verlässlich. Zukunftssicher.

Gerade in weit verteilten Anlagen ist die Digitalisierung der Messpunkte eine große Herausforderung. Wo setzen Sie an, um diesen ersten Schritt möglichst niedrigschwellig zu gestalten?

Die Digitalisierung weit verteilter Messpunkte ist für viele Unternehmen eine große Hürde – insbesondere, wenn bestehende Anlagen über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind. Unser Ansatz ist deshalb bewusst flexibel und niedrigschwellig gestaltet. Wir setzen dabei auf zwei unterschiedliche Ansätze.

Erstens: Wir digitalisieren bestehende Messstellen, ohne sie sofort austauschen zu müssen. Durch intelligente Nachrüstlösungen, moderne Kommunikationsmodule und Edge‑Technologien holen wir das Maximum aus vorhandener Infrastruktur heraus. Das reduziert Investitionskosten, minimiert Stillstandzeiten und ermöglicht einen schnellen Einstieg in die Digitalisierung.

Zweitens: Wo es technisch oder wirtschaftlich sinnvoller ist, bieten wir moderne Komplettlösungen an – vom Sensor über die Konnektivität bis hin zur Cloud. Alles aus einer Hand, perfekt abgestimmt und zukunftssicher.

Welcher Weg der richtige ist, entscheiden wir nicht pauschal, sondern gemeinsam mit dem Kunden. Dazu führen wir im Vorfeld eine transparente Kosten‑ und Nutzenanalyse durch. So stellen wir sicher, dass der gewählte Ansatz sowohl technisch als auch wirtschaftlich die optimale Lösung darstellt. Unser Ziel: Digitalisierung so einfach wie möglich – und so effektiv wie nötig.

Warum haben Sie sich für LPWAN beziehungsweise LoRaWAN als Übertragungstechnologie entschieden? Wo liegen die Vorteile gegenüber klassischen, kabelgebundenen Lösungen?

Wir haben uns für LPWAN bzw. LoRaWAN entschieden, weil diese Technologie eine zuverlässige, energieeffiziente und weitreichende Übertragung von Messdaten auch an abgelegenen oder schwer zugänglichen Einsatzorten ermöglicht. Sie erlaubt eine einfache und flexible Integration in bestehende Anlagen bei gleichzeitig sehr niedrigen Installations‑ und Betriebskosten. Gegenüber klassischen, kabelgebundenen Lösungen bietet LoRaWAN den klaren Vorteil einer schnellen Nachrüstung, hoher Skalierbarkeit und geringem Aufwand, selbst dort, wo Verkabelung technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Datensicherheit ist bei vernetzten Infrastrukturen ein zentrales Thema. Wie stellen Sie sicher, dass sensible Messdaten geschützt bleiben?

Datensicherheit wird bei Wika durch ein kompaktes, mehrstufiges Sicherheitskonzept gewährleistet. Die Messdaten werden gemäß LoRaWAN‑Standard Ende‑zu‑Ende verschlüsselt übertragen, und unsere Prozesse sowie Systeme sind nach ISO 27001 zertifiziert. Zusätzlich ermöglichen On‑Prem‑Lösungen und private LoRaWAN‑Netzwerke, dass alle Daten im Verantwortungsbereich des Kunden bleiben und keine öffentlichen Netze genutzt werden – für maximale Kontrolle und Datensouveränität.

Wie aufwendig ist die Integration Ihrer IIoT-Lösungen in bestehende Leitsysteme und IT-Strukturen?

Die Integration unserer IIoT‑Lösungen ist bewusst einfach und flexibel gestaltet. Wir unterstützen gängige IoT‑Standardschnittstellen wie MQTT, OPC UA und REST‑APIs, wodurch eine nahtlose Anbindung an bestehende Leitsysteme, SCADA‑/DCS‑Umgebungen sowie übergeordnete IT‑Systeme möglich ist. In Kombination mit der drahtlosen Anbindung können bestehende Anlagen schnell und ohne tiefgreifende Eingriffe in die Infrastruktur erweitert werden.

Ein weiteres Thema ist der Rotating Machinery Manager, mit dem Sie auf eine Multi-Sensor-Sonde mit Temperatur-, Ultraschall- und Vibrationsmessung setzen. Warum ist diese Kombination entscheidend?

Die Kombination ist entscheidend, weil sie Schäden deutlich früher und zuverlässiger erkennt. Ultraschall identifiziert beginnende Fehler wie Schmierungsprobleme oder Lagerdefekte bereits in sehr frühen Phasen – noch bevor sie sich in Temperatur oder Vibration zeigen. Gleichzeitig lassen sich Risiken wie elektrische Effekte oder Schäden durch unzureichende Schirmung frühzeitig erkennen und vermeiden. Zusammen liefern Temperatur-, Ultraschall- und Vibrationsmessung ein ganzheitliches Zustandsbild und erhöhen die Diagnose­sicherheit deutlich.

Sie sprechen von Machine Learning, dass das Wartungsteam entlastet. Wie viel menschliche Expertise bleibt künftig noch notwendig?

Machine Learning ersetzt keine Experten, sondern entlastet sie. Routineaufgaben wie Überwachung und Früherkennung werden automatisiert, sodass sich das Wartungsteam auf Bewertung, Entscheidungen und komplexe Eingriffe konzentrieren kann. Das ist besonders wichtig angesichts des Fachkräftemangels. So wird vorhandenes Know-how effizienter genutzt und ein stabiler, wirtschaftlicher Betrieb sichergestellt.

Keine Verkabelung, Batteriebetrieb, Fernzugriff – klingt nach Plug-and-Play. Wie realistisch ist das im industriellen Alltag wirklich?

Im industriellen Alltag ist Plug-and-Play nur dann realistisch, wenn Technik und Betrieb konsequent mitgedacht sind – genau hier liegt der Vorteil der Wika-Lösung. Batteriebetriebene Sensorik ohne Verkabelung reduziert den Installationsaufwand auf ein Minimum, und der Fernzugriff ermöglicht eine schnelle Inbetriebnahme sowie laufende Betreuung ohne Eingriffe in die Anlage. Der entscheidende Mehrwert entsteht durch das zentrale Netzwerkmanagement: Geräte lassen sich standortübergreifend konfigurieren, überwachen und warten. Das vereinfacht den Betrieb, erhöht die Transparenz und stellt sicher, dass auch große Installationen stabil, sicher und effizient gemanagt werden können. Plug-and-Play ist damit kein Marketingversprechen, sondern ein praxisnaher Ansatz für den industriellen Einsatz.

Wika stellt auf der Hannover Messe aus:

Halle 27, Stand G19/6 - Solution Center Smarte Sensorik und Messtechnik

Teilen