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„Intralogistik ist bei uns die Branche Nummer 1“
Dr. Patrick Olivan verantwortet als Head of Business Development bei Lapp das Lösungsgeschäft. Wie wichtig dabei die Intralogistik ist, hat er im Gespräch mit uns erläutert.
Herr Dr. Oliban, wie schätzen Sie die aktuelle Situation in der Intralogistik ein? Wie stellt sich die Branche aktuell dar?
Die Intralogistik ist eine Branche, die in der Vergangenheit stark gewachsen ist, aktuell aber eher stagniert. Unser CTO Hubertus Breier hat gezeigt, dass sich die Branche grob in drei Segmente unterteilt: Warehouse, Cargo, Airport sowie Postal & Parcel. Postal & Parcel liegt derzeit nahezu am Boden, dort gibt es kaum Projekte. Warehouse bewegt sich eher auf einem stagnierenden Niveau. Dagegen wachsen die Segmente Cargo und Airport sehr stark. Allein in Indien entstehen in den nächsten drei Jahren rund 25 neue Flughäfen mit entsprechendem Cargo- und Airport-Fokus.
Wie würden Sie folgende Stichworte bewerten im Hinblick auf die Intralogistik bei Lapp: wichtig, unwichtig, verzichtbar, essenziell?
Bezogen auf die Intralogistik würde ich sagen: Sie ist definitiv wichtig, vielleicht sogar essenziell. Die Intralogistik wurde bei uns als eine der drei wichtigsten Branchen innerhalb von Lapp definiert. Neben Intralogistik sind das Rolling Stock und Battery Manufacturing. Von diesen drei Bereichen ist die Intralogistik die Branche mit der größten Legacy. Dort erzielen wir den höchsten Umsatz und haben die meisten Kunden. Insofern ist sie für uns sehr wichtig.
Wie beurteilen Sie den technologischen Fortschritt?
Eher verhalten, da die Intralogistik eine extrem preissensible Branche ist. Kunden wechseln sehr schnell zum günstigeren Anbieter. Das ist typisch für diese Branche. Was wir jedoch sehen ist, dass die Kunden sehr spezifische Anforderungen haben. Diese Bedürfnisse tragen wir aktuell sehr gut zusammen. Dadurch geht es nicht mehr nur um den Preiskampf einzelner Komponenten, sondern darum, den Kunden insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen.
Und wie ist die Situation für die Mitarbeiter in der Intralogistik, Stichwort Entlastung?
Die Intralogistik verfolgt schon seit Längerem das Ziel, möglichst wenige Logistikmitarbeiter einzusetzen. Man spricht hier vom sogenannten „Lights-out“-Szenario oder „Dark Warehouse“, bei dem das Licht in der Halle ausgeschaltet werden kann, weil alles vollautomatisch läuft. Der Hintergrund ist unser globalisiertes Konsumverhalten: Wir erwarten immer schnellere Lieferungen und immer größere Mengen. Das ist personell kaum noch darstellbar, zumal Fachkräftemangel herrscht. Deshalb wird versucht, die Kommissionierung – also das Zusammenstellen verschiedener Produkte zu einem Paket – als letzte manuelle Tätigkeit weitgehend zu automatisieren.
Die Verbreitung nimmt also weiter zu?
Absolut. Amazon, Alibaba und viele andere Onlinehändler treiben diesen gesellschaftlichen Trend massiv voran. Künstliche Intelligenz ist dabei sehr wichtig. Sie betrifft uns zwar weniger direkt, da wir auf Komponentenebene arbeiten, aber wie man im Gebhardt-Vortrag sehen wird, führt kein Weg daran vorbei. Die Optimierung von Logistikströmen ist ein hochkomplexes und rechenintensives Problem – und dafür ist KI ideal geeignet.
Wie stellt sich das Ganze nun konkret bei Lapp dar?
Für Lapp ist die Intralogistik, wie gesagt, die wichtigste Branche. In meiner neuen Rolle im Industriemanagement arbeiten wir seit über einem Jahr daran, ein wirklich passgenaues Portfolio an Lösungen für unsere Kunden zusammenzustellen. Das Zusammenspiel zwischen Vertrieb, Produktmanagement sowie Forschung und Entwicklung ist dabei deutlich enger und besser geworden.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell?
Ein zentrales Thema ist der Wandel von Meterware hin zu Kurzlängen. Wenn wir diesen Lösungsweg nicht konsequent mitgehen, droht ein massiver Umsatzrückgang. Wir versuchen, die Stärken unserer Organisation stärker zu bündeln. Lapp war schon immer sehr divers und global aufgestellt, gleichzeitig aber stark lokal orientiert. Intralogistikkunden agieren global und erwarten Lösungen, bei denen alles zusammenpasst – Produkte aus einer Hand. Genau hier müssen wir stärker bündeln.
Wie wichtig ist die Verbindungstechnik in diesem Bereich?
Ich würde es so formulieren: Gibt es Intralogistik ohne Kabel? Nein. Die größte Applikation ist nach wie vor das Förderband im Warenhaus. Und in diesen Förderbändern stecken Kilometer an Kabeln. Eine Disruption in diesem Bereich ist nicht zu erwarten.
Welche weiteren Lösungen sind denkbar und wo liegen die Grenzen?
Wir nutzen zunehmend die Synergien innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig stellen wir fest, dass der nächste Evolutionsschritt darin besteht, stärker mit externen Partnern zusammenzuarbeiten – etwa mit Antriebsherstellern oder anderen Konfektionären. Die Intralogistik verlangt nach Komplettlösungen aus einer Hand, nicht nach einzelnen Komponenten.
Was trägt intern und extern zur Zukunftsfähigkeit der Intralogistik bei?
Wahrscheinlich gibt es weltweit weniger als fünf Anbieter wie uns, die Kabel, Stecker und Konfektion – von Individualkonfektionen über Kabelbäume bis hin zu Patchcords – komplett aus einer Hand liefern können. Dadurch lassen sich enorme Effizienzgewinne für den Kunden erzielen. Das ist unser großer Mehrwert.
Wo kommen Lapp-Produkte konkret zum Einsatz?
Ganz klar in der Fördertechnik. Darüber hinaus sind wir bereits im nächsten Evolutionsschritt angekommen, der mobilen Robotik. Dazu zählen fahrerlose Transportsysteme, Shuttles und Regalbediengeräte, die durch die Warenhäuser fahren.
Ein Beispiel ist eine Konfektion zwischen Frequenzumrichter und Antrieb. Ein Wettbewerber bietet hier eine sehr teure Lösung an, die wir deutlich vereinfacht haben. Als Konfektion können wir diese Lösung rund 50 Prozent günstiger anbieten. Das zweite Beispiel ist unsere neue Akquisition Cableforce. Damit decken wir nun auch die Standard-Sensor/Aktor- und Patchcord-Ebene vollständig ab – in verschiedenen Qualitätsklassen, inklusive umspritzter Steckverbinder für dichte und vibrationsstarke Anwendungen.
Bei Lapp ist verstärkt die Rede von Systemlösungen. Warum sind diese so wichtig?
Lapp ist in vielen Bereichen des Portfolios vertreten und dadurch können wir echte End-to-End-Lösungen anbieten – von Steuerung oder Frequenzumrichter bis zum Antrieb. Die gesamte Kette lässt sich mit eigenen Produkten abbilden. Dadurch entstehen große Synergien: Kabel und Stecker sind optimal aufeinander abgestimmt, es gibt keine Margenaddition, und am Ende wird alles als geprüftes Modul aus einer Hand geliefert. Das ist unsere große Stärke.
Welche Technologien sind dabei entscheidend, Stichwort Hybrid?
Wir bewegen uns weg von der zentralen Verkabelung hin zu dezentralen Architekturen. Dabei geht es weniger um einzelne Technologien als um das Gesamtkonzept. Es gibt verschiedene Ansätze wie Daisy Chain, Ringstrukturen mit Abzweigen oder IPC-Boxen. Hybridkabel sind dabei sehr relevant. Auch Flachkabel gewinnen an Bedeutung, da sie die Installationszeit deutlich reduzieren. In anderen Industrien spielt das eine geringere Rolle, in der Intralogistik jedoch eine zentrale.
Wo entsteht künftig zusätzlicher Bedarf und wie kann LAPP diesen decken?
Ein stark wachsendes Feld ist die mobile Robotik. Hier sprechen wir von kleinen Kabelbäumen für Shuttles und mobile Roboter. Dieses Segment sehen wir als klares Wachstumsfeld innerhalb der Intralogistik. Wir sind hier gut positioniert und werden dieses Thema künftig noch stärker bespielen.
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