Smart Sensor

"Sensorik wird zum Produktivitätshebel"

Auf der Hannover Messe zeigt Baumer, wie smarte Sensorik Industrieprozesse effizienter macht. Im Interview mit messweb-Chefredakteur Dirk Schaar spricht Regionalvertriebsleiter Dennis Stürz über Systemkompetenz, KI, IO-Link und warum Sensorik heute ein zentraler Produktivitätshebel für moderne Produktionsumgebungen ist.

Baumer präsentiert sich auf der Hannover Messe als Sensorspezialist mit großer Leistungsbreite. Ist diese Vielfalt heute ein Wettbewerbsvorteil — oder auch eine Herausforderung?

Ich sehe die Vielfalt klar als strategischen Vorteil, vor allem in Zeiten, in denen Kunden ihre Lieferanten konsolidieren. Viele Unternehmen wollen weniger Schnittstellen und mehr Systemkompetenz. Genau hier können wir punkten. Wir liefern nicht einfach nur Komponenten, sondern sind Technologiepartner mit ausgewiesener Expertise in zahlreichen Sensorprinzipien. Natürlich ist Vielfalt intern auch eine Herausforderung. Man muss die Komplexität gut managen. Aber genau in diesem Punkt sind wir stark aufgestellt. 

Vom optischen Sensor über Drehgeber bis zur Industriekamera: Welche Lösungen stehen auf der Messe besonders im Fokus für Baumer und warum?

Auf der Hannover Messe zeigen wir vor allem Lösungen, die Kunden sofort helfen, Prozesse messbar besser zu machen: smarte Sensorik mit Diagnose- und Parametrierfunktionen sowie Anwendungen in Richtung Zustandsüberwachung und Predictive Maintenance. Hier spielt IO-Link als Enabler für intelligente Lösungen eine zentrale Rolle. Das Thema IO-Link wird auf der Hannover Messe in der Master Class von uns nochmals mit einem besonderen Schwerpunkt vorgestellt.

Können Sie ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen, bei dem das Zusammenspiel verschiedener Baumer-Sensorlösungen einen besonderen Mehrwert schafft?

Ein typisches Beispiel ist eine Verpackungs- oder Montageanlage. Ein optischer Sensor erkennt das Produkt, ein Drehgeber erfasst die Positionsdaten zur Synchronisation der Bewegung, und eine Industriekamera prüft Etikett, Druckbild oder Vollständigkeit. Über IO-Link werden Sensoren zentral parametriert und liefern Diagnosewerte. Das reduziert Stillstände und beschleunigt Formatwechsel. Der Mehrwert entsteht im Zusammenspiel durch weniger Ausschuss, schnellere Umrüstung und höhere Anlagenverfügbarkeit.

Sie präsentieren sich im „Solution Center Smarte Sensorik und Messtechnik“. Welche Rolle spielt smarte Sensorik aktuell für die industrielle Automatisierung und bei Baumer?

Smarte Sensorik ist heute ein echter Schlüssel, weil Sensoren nicht mehr nur „Ein/Aus“ liefern, sondern zusätzliche Informationen über den Prozess und den Zustand. Damit wird Automatisierung flexibler, transparenter und wartungsfreundlicher. Für Baumer ist das zentral: Wir entwickeln Sensoren so, dass sie einfach integrierbar sind, sich schnell parametrieren lassen und leicht verwertbare Diagnosedaten liefern. Ein wichtiger Bestandteil dafür ist auch unsere eigens entwickelte Software zur Auswahl und Parametrierung von Sensoren, die Baumer Sensor Suite mit mittlerweile 14.000 Nutzern.

Viele Unternehmen kämpfen mit steigenden Anforderungen an Flexibilität und Produktivität. Welche Rolle spielt Ihre Sensorik dabei ganz konkret in der Produktion?

Sensorik ist einer der größten Produktivitätshebel, weil sie direkt Einfluss auf Prozessstabilität und Transparenz hat. Wenn ich meinen Prozess exakt messe, kann ich ihn auch gezielt optimieren. Sensoren liefern die Basis für stabile Taktzeiten, reproduzierbare Qualität und schnelle Anpassungen bei Produktwechseln. Gerade bei kleineren Losgrößen und hoher Variantenvielfalt wird präzise und flexible Sensorik zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf bei Ihren Kunden — Präzision, Geschwindigkeit, Robustheit oder Integration?

Wenn ich es auf einen Punkt bringen müsste, dann ist es aktuell ganz klar: Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Unsere Kunden fragen weniger nach dem „schnellsten“ oder „präzisesten“ Sensor. Im Beratungsalltag hören wir folgende Fragen:

  • Wie stabil läuft meine Anlage?
  • Wie schnell bekomme ich Ersatz?
  • Wie einfach kann ich parametrieren?

Das heißt konkret: Robustheit und einfache Integration stehen im Vordergrund, weil sie direkten Einfluss auf Stillstandszeiten und Gesamtbetriebskosten haben.

Auf der Hannover Messe werden wir es wieder überall erleben: Künstliche Intelligenz. Wie verändert KI oder auch Edge-Processing die Anforderungen an Sensoren und Kamerasysteme? Welche Rolle spielen beide schon wirklich im Alltag Ihrer Kunden?

KI ist auf der Messe natürlich ein großes Thema. Im industriellen Alltag unserer Kunden sehen wir jedoch: Der Einsatz ist sehr anwendungsbezogen. In der Bildverarbeitung nutzen wir schon länger KI-basierte Verfahren. Dort bringt sie bereits direkten Mehrwert. Darüber hinaus stehen jedoch für viele Kunden weiterhin Prozessstabilität, Integration und Datenqualität im Vordergrund

Wenn wir uns auf der Hannover Messe in fünf Jahren wieder treffen — worüber werden wir dann im Bereich Sensorik sprechen, was heute noch Zukunftsmusik ist?

In fünf Jahren werden wir weniger über einzelne Sensoren sprechen, sondern mehr über den messbaren Beitrag zur Produktivität. Themen wie Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Anlagenverfügbarkeit werden noch stärker im Fokus stehen. Sensorik wird helfen, Prozesse permanent zu überwachen und automatisch zu optimieren. Ich glaube auch, dass sich die Grenzen zwischen Sensor, Steuerung und IT weiter auflösen. Die Systeme wachsen stärker zusammen.

Baumer stellt auf der Hannover Messe aus:

Halle 27, Stand G19/4 - Solution Center Smarte Sensorik und Messtechnik

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