Gassensoren

Verifizierte Frische

Verifizierte Frische

Wenn sich Branchenvertreter auf der Fruit Logistica treffen, geht es um Effizienz, Qualität und Transparenz entlang globaler Lieferketten. In diesem Umfeld präsentierten blulog und FaradaIC Sensors eine gemeinsame Lösung zur Überwachung von Verpackungsatmosphären – und rückten damit ein Thema ins Zentrum, das bislang häufig unterschätzt wird: die messtechnisch gesicherte Integrität versiegelter MAP-Verpackungen. 

Frische Produkte wie Beeren, Salate oder verzehrfertige Mischungen sind auf definierte Gasbedingungen angewiesen. Dennoch wird die Atmosphäre im Inneren vieler Verpackungen nach dem Versiegeln lediglich angenommen, nicht überprüft. Abweichungen bleiben unsichtbar, bis die Haltbarkeit sinkt, Reklamationen auftreten oder Ware abgeschrieben werden muss. Für Produzenten, Logistiker und Handel bedeutet das wirtschaftliche Risiken und fehlende Datengrundlagen für Prozessverbesserungen. 

Hier setzt die gemeinsame Lösung beider Unternehmen an. FaradaIC bringt miniaturisierte elektrochemische Gassensorik ein, blulog ergänzt diese um Datenlogger, Konnektivität und Cloud-Integration. Zusammen entsteht ein skalierbares Monitoring-System, das Verpackungszustände vom Abfüllprozess bis zum Wareneingang überwachen kann. Der Nutzen liegt nicht allein in Messwerten, sondern in belastbaren Nachweisen gegenüber Partnern, Auditoren und Qualitätsmanagement. 

Kompakte Sensorik für sichere Lieferketten 

Technologische Grundlage ist die MECS-Technology von FaradaIC – mikro-elektrochemische Systeme, gefertigt mit MEMS-Prozessen. Die vollständig festkörperbasierte Bauweise ermöglicht eine kompakte Sensorarchitektur bei gleichzeitig stabiler Messcharakteristik. Die geringe Baugröße erleichtert die Integration in mobile Geräte, Verpackungsnähe oder IoT-Hardware und erweitert damit die Einsatzmöglichkeiten über klassische Labor- oder Inline-Messtechnik hinaus. 

Ein sichtbares Beispiel ist SealProof, die aktuell vorgestellte O₂-Überwachungslösung für sauerstoffarme Verpackungen. Sensormodule prüfen kontinuierlich die Atmosphärenbedingungen und erkennen frühzeitig Leckagen oder Gaseintritt. Die Messdaten werden über blulog-Logger erfasst, zeitlich markiert und über digitale Schnittstellen bereitgestellt. Anwender erhalten Berichte zur Dokumentation von Qualität und Konformität oder als Grundlage für Prozessoptimierung. 

Für die Praxis bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Statt punktueller Stichprobenmessungen wird eine kontinuierliche Zustandsüberwachung möglich. Produktionsverantwortliche erkennen Fehler schneller, Logistikpartner erhalten Transparenz über Transportbedingungen, und Einzelhändler profitieren von nachvollziehbarer Qualitätssicherung. Gleichzeitig reduziert sich potenziell Lebensmittelverlust, da Probleme früher identifiziert werden können. 

Die derzeit verfügbare Prototypphase richtet sich an Pilotanwender, während eine Erweiterung um kombinierte O₂- und CO₂-Messfunktionen bereits in Vorbereitung ist. Perspektivisch adressiert die Technologie neben Lebensmittelanwendungen auch industrielle Logistik, Umweltmonitoring und vernetzte Produktionsprozesse. 

Sensorik als Teil digitaler Wertschöpfungsketten 

Der gemeinsame Messeauftritt auf der Fruit Logistica zeigt damit exemplarisch, wie Sensorinnovation heute gedacht wird: nicht isoliert als Bauteil, sondern als Bestandteil digitaler Wertschöpfungsketten. Für Anwender entsteht ein konkreter Mehrwert durch datenbasierte Transparenz – und für die Sensorikbranche ein Beispiel dafür, wie Miniaturisierung, Integration und Plattformdenken neue Anwendungsfelder erschließen. 

Neben der technologischen Demonstration diente der Messeauftritt vor allem dazu, konkrete Anwendungsszenarien zu diskutieren. Gespräche mit Verpackungsmaschinenherstellern, Frischelogistikern und Qualitätssicherungsverantwortlichen zeigten, dass der Bedarf an integrierbarer Sensorik wächst. Besonders gefragt sind Lösungen, die ohne tiefgreifende Prozessumstellungen implementiert werden können und gleichzeitig verwertbare Daten liefern. Genau hier positioniert sich die Partnerschaft: als Schnittstelle zwischen Sensorebene und digitaler Auswertung. 

Datenbasierte Qualitätssicherung in der Kühlkette 

Aus Sicht der Sensorentwicklung ist die Kombination aus mikrostrukturiertem Aufbau und elektrochemischem Messprinzip entscheidend. Die Reaktionsmechanismen innerhalb des Sensors ermöglichen eine selektive Detektion geringer Sauerstoffanteile bei hoher Stabilität. Gleichzeitig erlaubt die Halbleiterkompatibilität der Fertigung eine perspektivische Skalierung, was für industrielle Stückzahlen und Kostenstrukturen relevant ist. Damit adressiert die Technologie nicht nur Forschungs- oder Spezialanwendungen, sondern Volumenmärkte. 

Im operativen Einsatz erfolgt die Integration direkt in der Verpackung und orientiert sich konzeptionell an etablierten Ansätzen des sogenannten Cold-Chain-Monitorings, also der Überwachung der Kühlkette. Wie bei Temperaturdatenloggern werden Sensoren in Module eingebettet, die ohne invasive Eingriffe in bestehende Prozesse eingesetzt werden können. Statt thermischer Parameter wird hier jedoch die Verpackungsatmosphäre kontinuierlich überwacht. Diese Validierung schafft eine belastbare Datenbasis, die bislang nur mit hohem messtechnischem Aufwand zugänglich war. Unternehmen sind damit in der Lage, Qualitätsparameter entlang der gesamten Lieferkette zu dokumentieren und die gewonnenen Informationen gezielt für Prozessanalysen und Optimierungsmaßnahmen zu nutzen. 

Besonders relevant für Anwender ist die Verfügbarkeit strukturierter Daten. Die Kombination aus Sensorik und Logger-Technologie ermöglicht Zeitstempel, Nachverfolgbarkeit und automatisierte Berichte. In Auditsituationen oder bei Streitfällen schafft dies eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten zur Integration in bestehende IT-Systeme, wodurch Monitoring nicht als Insellösung, sondern als Bestandteil der digitalen Infrastruktur fungiert. 

Sensorik als strategischer Wettbewerbsfaktor 

Marktseitig zeigt sich, dass Transparenz zunehmend als Wettbewerbsfaktor betrachtet wird. Händler erwarten nachvollziehbare Qualitätsnachweise, während Produzenten ihre Prozesse datenbasiert optimieren möchten. Sensorlösungen wie die hier vorgestellte unterstützen beide Ziele, indem sie Messwerte in wirtschaftlich nutzbare Informationen transformieren. Damit wird Messtechnik vom Kontrollinstrument zum strategischen Werkzeug. 

Zusammenfassend verdeutlicht das Beispiel der Kooperation zwischen blulog und FaradaIC, dass Innovation im Sensorbereich heute stark durch Partnerschaften geprägt ist. Die Verbindung spezialisierter Sensorkompetenz mit IoT-Plattformen schafft Anwendungen, die über klassische Messaufgaben hinausgehen. Für Leserinnen und Leser aus Entwicklung, Produktion und Qualitätsmanagement bietet der Ansatz eine konkrete Perspektive darauf, wie sich Zustandsüberwachung künftig in skalierbare Geschäftsprozesse integrieren lässt. Diese Entwicklung unterstreicht, dass präzise Sensorintegration zunehmend zur Grundlage belastbarer Entscheidungen in vernetzten Lieferketten wird. 

Autoren: Rainer Ihra, CSO & Head of Business Development, FaradaIC Sensors GmbH; Daria Roszczyk-Krowicka, Sales&Markeitng Director, blulog Sp. z o.o. 

Bilder: blulog und FaradaIC 

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