Sensorik

„Wir bringen Sensorik dorthin, wo sie früher nicht denkbar war!“

Intelligente Sensorik - Im Interview mit Chefredakteur Dirk Schaar erklärt Michael Hahn, CEO der Duotec GmbH, wie sich die Sensorikbranche durch Miniaturisierung, Quantentechnologie und Industrial AI grundlegend verändert – und welche Rolle Innovationen aus Deutschland dabei spielen.

Duotec ist Hersteller von Sensoren. Welche großen technologischen Herausforderungen sehen Sie aktuell in der Elektronik- und Sensorikbranche? Mit was kommen Kunden auf Sie zu?
Endprodukte werden immer kleiner, gleichzeitig steigt die Anzahl der Sensoren für Industrial IoT und Künstliche Intelligenz stark an. Das bedeutet: Sensoren müssen extrem miniaturisiert werden, um immer mehr Datenpunkte auf immer weniger Raum zu ermöglichen. Zudem werden intelligente Sensoren zunehmend an Orten benötigt, die früher undenkbar waren. Dafür braucht es neue Konzepte, Ideen sowie innovative Aufbau- und Verbindungstechniken – genau in diesem Umfeld fühlen wir uns sehr wohl.

Inwiefern beeinflusst der globale Wettbewerbsdruck dabei Ihre Entwicklungs- und Innovationsprozesse?
Wettbewerbsfähigkeit erreichen wir vor allem durch technologische Differenzierung. Unser Anspruch ist es, Lösungen mit einzigartigen physikalischen Eigenschaften zu entwickeln. Ein Beispiel ist unsere hochpräzise Kraft- und Druck Technologieplattform, die bis zu 40-mal sensitiver ist als marktübliche Standardprodukte. Diese Sensitivität erlaubt es uns ganz neue Konzepte nicht-invasiver Druckmessung anzubieten. Immer wenn Sie den Kontakt des zu messenden Mediums mit der Elektronik vermeiden wollen, haben wir hier eine Lösung. Ein weiterer entscheidender Vorteil für unsere Kunden ist die radikale Miniaturisierung komplexer Elektronik auf kleinstem Raum.

Quantensensoren stehen für eine neue Ära der Messtechnik. Welche Risiken und Hürden begegnen Ihnen, wenn Sie neue Technologien wie Quanten-Sensing marktreif machen?
Wir leisten hier echte Pionierarbeit. Der Weg zur serienreifen Quantensensorik wurde bislang nur von wenigen beschritten. Unser Anspruch, technologisch an der Spitze zu stehen, treibt uns an. Natürlich bringt Neuland auch Unsicherheiten mit sich, aber als Spezialist für komplexe Elektronikentwicklung können wir diese Risiken beherrschen. Besonders spannend ist, dass wir gemeinsam mit Partnern kontinuierlich neue Ideen entwickeln – daraus entstehen oft völlig neue Chancen.

Wo stehen wir technologisch in der Quantensensorik und wie ist die Nachfrage bei Kunden?
Wir erleben derzeit eine echte Aufbruchstimmung. Es gibt noch vergleichsweise wenige Technologieanbieter, doch ihre Zahl wächst. Auf Kundenseite sehen wir große Begeisterung, vor allem wenn es um hochsichere Systeme geht.

Ein Beispiel ist unser QKD-Sensor: Was früher etwa die Größe von vier Lunchboxen hatte, konnten wir inklusive Elektronik auf die Größe eines Cent-Stücks integrieren. Das ermöglicht erstmals industrielle Skalierung, Automatisierung. Sogar der Einsatz in Satelliten wird durch diesen Grad der Miniaturisierung denkbar. Für uns war früh klar, dass wir auf dieses Zukunftsfeld setzen, um uns über Innovation zu differenzieren.

Welche Rolle spielt Industrial AI für Duotec und gibt es konkrete Anwendungen?
Wir sind kein reines KI-Unternehmen, sondern kommen aus der Sensorik. Dennoch wissen wir, dass KI-Algorithmen zunehmend essenziell werden. Deshalb setzen wir auf Kooperationen. Ein Beispiel ist die elektronische Nase (E-Nose), die wir gemeinsam mit einem Startup entwickeln. Hier werden Sensordaten durch spezifische KI-Modelle analysiert, um Geruchsmuster zu erkennen und hochselektiv bestimmte Gerüche zu detektieren.

Setzt Duotec auch auf digitale Geschäftsmodelle oder Plattformlösungen?
Unser Fokus liegt auf Technologieplattformen. Wir entwickeln Sensortechnologien, die in kundenspezifische Anwendungen integriert werden. Gleichzeitig arbeiten wir mit strategischen Partnern zusammen, um unsere Technologien mit digitalen Plattformen zu verbinden. Ein aktuelles Beispiel ist eine Kooperation im Bereich Predictive Maintenance in der Spritzgussbranche, bei der Sensordaten zur Auswertung in eine digitale Plattform eingespeist werden.

Welche Innovationen werden Sie auf der SENSOR+TEST 2026 zeigen?
In diesem Jahr präsentieren wir gleich drei Innovationen. Die erste ist die nicht-invasive Druckmessung. Damit können wir Druck messen, ohne in geschlossene Systeme einzugreifen – ein großer Vorteil für Automatisierung und Predictive Maintenance.

Die zweite Innovation ist unser Time-Tagger. Dabei handelt es sich um einen Demonstrator, der zwei zentrale Komponenten für quantensichere Verschlüsselung integriert. In Kombination mit unserem QKD-Sensor können sowohl die Polarisation von Photonen als auch deren exakter Detektionszeitpunkt in einer einzigen, kompakten Einheit erfasst werden. Das vereinfacht die Integration von Quantentechnologie in Anwendungen erheblich.

Und die dritte Neuheit ist das Chip-Size Spectrometer, ein hochintegrierter Miniatursensor zur gleichzeitigen Messung von Spektrum und Polarisation von Licht. Auf einem nur 2,3 × 3,4 mm großen Chip erfassen 270 spektrale und 30 Polarisationskanäle den Wellenlängenbereich von 400 bis 1.000 nm. Optische Nanostrukturen, Filter und Signalverarbeitung sind direkt in CMOS-Technologie integriert, wodurch klassische optische Komponenten entfallen und die Herstellungskosten unabhängig von der Kanalanzahl niedrig bleiben. Der Sensor liefert Messdaten mit bis zu 1.000 Hz, arbeitet mit 3,3 V und ist für industrielle Anwendungen im Temperaturbereich von 0 bis 85 °C ausgelegt.

Kontakt

Humboldtstr. 8a
58553 Halver
DEUTSCHLAND
duotec in Social Media:
Teilen
SENSOR+TEST 2026