I/O-Module

„Wir machen Effizienz messbar“

„Wir machen Effizienz messbar“

Wie lässt sich Effizienz in der industriellen Automatisierung nicht nur versprechen, sondern messbar umsetzen? Im Interview mit Chefredakteur Dirk Schaar gibt Michael Wiener, Global Product Manager PLCs bei Jumo einen Einblick in die neuen variTRON I/O-Modulen und die Recorder-App.

Viele Hersteller versprechen „mehr Effizienz“ und „schlankere Hardware“. Warum geht Jumo mit den neuen variTRON-Modulen wirklich einen Schritt weiter?

Genau diese Frage stellen uns auch unsere Kunden. Der entscheidende Unterschied ist: Jumo verspricht Effizienz nicht nur, sondern macht sie messbar. Unsere neuen I/O-Module kombinieren eine sehr hohe Kanaldichte auf minimalem Bauraum mit deutlich optimierten Reaktionszeiten. Dadurch reduzieren sich Schaltschrankplatz, Verdrahtungsaufwand und letztlich auch Durchlaufzeiten in Projekten spürbar. Effizienz wird also konkret greifbar.

Welche zentralen Herausforderungen in der industriellen Automatisierung adressieren die neuen I/O-Module und die Recorder-App der JUMO variTRON-Familie? Und welches strategische Ziel verfolgt Jumo damit?

Beginnen wir mit den Herausforderungen. Eine der wichtigsten Anforderungen unserer Kunden ist die zuverlässige Einhaltung von Messgenauigkeiten – insbesondere in anspruchsvollen Anwendungen. Das ist seit jeher eine Kernkompetenz von Jumo, vor allem im analogen Messbereich. Ein weiterer großer Punkt ist der Platz- und Kostenbedarf im Schaltschrank. Hier liefern wir mit der hohen Kanaldichte der neuen Module eine klare Antwort. Hinzu kommen Themen wie Regelgüte, Prozessstabilität und Reaktionszeiten. Gerade letztere konnten wir deutlich reduzieren, was zu präziseren und produktiveren Anlagen führt. Bei der Recorder-App lag die größte Herausforderung darin, Datenerfassung ohne zusätzliche Hardware zu ermöglichen. Die Recorder-Funktion ist direkt in die SPS integriert – lokal auf der variTRON 500 touch Panel-PLC oder webbasiert auf der variTRON 500 Hutschienen-SPS. Das spart Hardware, Integrationsaufwand und Wartungskosten. Strategisch zahlt all das auf ein klares Ziel ein: Wir optimieren unser Portfolio konsequent für unsere Fokusbranchen und positionieren Jumo weiter als führenden System- und Lösungsanbieter, der die spezifischen Anforderungen seiner Kunden ganzheitlich erfüllt.

Kam der Impuls für diese Weiterentwicklung eher aus Kundenanforderungen oder aus der eigenen Entwicklungsstrategie?

Beides. Einerseits haben wir sehr wertvolles Feedback von Pilot- und Leuchtturmkunden erhalten. Andererseits haben wir den Markt und den Wettbewerb genau beobachtet und erkannt, dass wir unser Gesamtsystem konsequent auf den aktuellen Stand der Technik bringen müssen. Die neuen Module unterscheiden sich aus meiner Sicht vor allem in drei Punkten: der kompakten modularen Bauform, der sehr hohen Kanaldichte für analoge und digitale Signale und dem deutlich reduzierten Platzbedarf. Konkret sprechen wir heute von nur 12 mm Breite pro Standardmodul – das ist mehr als eine Halbierung gegenüber den bisherigen Modulen. Das war ein notwendiger Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Werden denn die bisherigen Module vollständig abgelöst?

Es wird einen Übergangszeitraum geben. Viele Kunden haben Zulassungen, die direkt an bestehende Hardware gebunden sind. Deshalb werden die bisherigen Module noch eine Zeit lang verfügbar bleiben, langfristig aber durch die neuen Module ersetzt.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich aus der hohen Kanaldichte für Anlagenbauer und Betreiber?

Sowohl OEMs als auch Betreiber stehen unter hohem Druck, Platz zu sparen – sei es im Schaltschrank oder direkt in der Anlage. Gerade wenn Automatisierungstechnik direkt in Maschinen integriert ist, wird jeder Millimeter entscheidend. Hinzu kommt das Thema Total Cost of Ownership: Weniger Material, geringerer Montageaufwand und reduzierte Wartungskosten. Genau hier setzt Jumo an, indem wir das I/O-System deutlich kompakter und effizienter gestalten.

Wie wirken sich die optimierten Reaktionszeiten auf Prozessstabilität und Regelgüte aus?

Sehr positiv. Stellgrößen werden schneller erkannt und präziser angepasst, was die Regelgüte und die Prozessstabilität deutlich verbessert – besonders bei schnellen Regelkreisen wie Druckregelungen. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist dabei unser Hardware-Regler. Er sitzt als eigenes Modul mit eigener CPU direkt auf der Hutschiene. Die komplette Ein- und Ausgangsverarbeitung findet lokal auf dem Modul statt. Selbst bei einer Störung der Buskommunikation regelt das Modul autark weiter. Diese Kombination aus Reaktionsgeschwindigkeit und Ausfallsicherheit findet man so am Markt nicht.

Welche Zielbranchen profitieren besonders von den neuen I/O-Modulen?

Ein zentrales Einsatzfeld sind Chargenprozesse, bei denen Prozessstabilität entscheidend ist – etwa in der Pharmaindustrie, wo der Wert einer Charge schnell fünf- oder sechsstellige Beträge erreichen kann. Hier kann unser Hardware-Regler im Störfall entscheidend dazu beitragen, eine Charge zu retten. Darüber hinaus adressieren wir Fokusbranchen wie Thermoprozesstechnik, Ofenbau, Wasser-/Abwasser, Lebensmittel und Getränke. Wichtig sind auch branchenspezifische Zulassungen: Unsere I/O-Module verfügen beispielsweise über DNV-Zulassungen für den maritimen Bereich. Zudem erfüllen wir die Konformitäten AMS2750/CQI9 für Luft- und Raumfahrt oder die Automobilindustrie. Diese Anforderungen fließen direkt in unsere Produktentwicklung ein – im engen Austausch mit unseren Kunden.

Inwiefern ist die Recorder-App ein Alleinstellungsmerkmal?

Mit der Recorder-App haben wir den klassischen papierlosen Bildschirmschreiber vollständig digitalisiert und direkt in die SPS verlagert – ohne zusätzliche Hardware. Das ist aus meiner Sicht eine disruptive Innovation. Die Funktion läuft entweder lokal auf der Panel-PLC oder webbasiert auf der Hutschienen-SPS. Dadurch entfallen Anschaffung, Integration und Wartung eines separaten Geräts vollständig. Das ist in dieser Form ein echtes Alleinstellungsmerkmal am Markt.

Bringt das auch wirtschaftliche Vorteile für den Anwender?

Absolut. In Summe liegen die Kosten für die Recorder-App bei etwa einem Fünftel dessen, was ein klassischer Bildschirmschreiber verursacht – inklusive Inbetriebnahme, Wartung und Schulungsaufwand.

Welche Vorteile bietet die lokale und webbasierte Nutzung der Recorder-App?

Lokal entspricht die Bedienung dem klassischen Bildschirmschreiber – nur ohne Zusatzgerät. Webbasierend wird es noch flexibler: In vielen Anwendungen kann sogar ein komplettes Panel entfallen. Die Überwachung erfolgt dann über Tablet, PC oder jedes andere Endgerät mit Browser im gleichen Netzwerk. Das vereinfacht unter anderem das Condition Monitoring erheblich und senkt die Hardwarekosten weiter.

Welche Sicherheitsmechanismen schützen die aufgezeichneten Daten?

Hier unterscheiden wir uns klar von einfachen Datenloggern. Erstens nutzen wir digitale Zertifikate zur Manipulationserkennung. Nachträgliche Änderungen an Daten werden erkannt. Zweitens setzen wir auf das Datendioden- bzw. Push-Only-Prinzip: Daten fließen ausschließlich vom Gerät zur Auswertesoftware smartWARE Evaluation, nicht umgekehrt. Das schützt die SPS vor unbefugtem Zugriff. Und drittens garantieren wir eine lückenlose Aufzeichnung bei Netzwerkausfällen durch lokale Datenpufferung – je nach Konfiguration über viele Stunden bis hin zu Wochen.

Welche Vorteile bietet die Kombination aus Recorder-App und smartWARE Evaluation?

Beide Lösungen wurden von denselben Entwicklerteams konzipiert und sind perfekt aufeinander abgestimmt. Man kann das durchaus als „Maßanzug“ für industrielle Datenerfassung und -auswertung bezeichnen. Im Vergleich zu klassischen, getrennten Lösungen reduziert sich der Konfigurationsaufwand deutlich, es gibt keine Medien- oder Logikbrüche, und das Datenmodell ist durchgängig konsistent – vom Gerät bis zur Auswertung.

Gibt es bereits Rückmeldungen von Pilotkunden?

Ja, und die sind durchweg positiv. Unsere Pilotkunden waren von Anfang an in den Entwicklungsprozess eingebunden, sodass wir Feedback frühzeitig einarbeiten konnten. Zu konkreten Anwendungen kann ich nicht ins Detail gehen, aber klar ist: Sowohl die Recorder-App als auch die smartWARE Evaluation werden kontinuierlich weiterentwickelt – immer entlang der Anforderungen unserer Kunden. Damit setzen wir unseren Weg als führender System- und Lösungsanbieter konsequent fort.

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