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Antibiotika: 7 Mythen über Antibiotika

Manche sehen sie als Wunderwaffe bei allen Infekten – andere halten sie für riskante Chemiekeulen. Sind Antibiotika gefährliche Arzneien, die Patienten besser gar nicht nehmen sollten – oder gehören sie in jede Hausapotheke? Wann helfen die Mittel – und was passiert, wenn Bakterien dagegen resistent werden? Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest klären auf.

Mythos 1 – Antibiotika helfen gegen Erkältung

Das ist ein Irrglaube. Atemwegsinfekte wie Halsentzündung, Schnupfen, Husten und Bronchitis sind meist durch Viren bedingt. Dagegen helfen Antibiotika nicht, sondern nur gegen Bakterien. Selbst die echte Grippe, bei der Erkältungssymptome und hohes Fieber zumeist geballt und massiv auftreten, ist eine Viren-Erkrankung. Die Patienten genesen in aller Regel von allein, auch wenn das leider ein bis zwei Wochen, teils auch länger dauern kann. Oft helfen Ruhe, viel trinken und rezeptfreie Medikamente – etwa Paracetamol gegen Schmerzen und Fieber und Mittel mit Xylometazolin bei Schnupfen.

Wenn Bakterien dazukommen. Mitunter siedeln sich Bakterien im vorbelasteten Gewebe an. Anzeichen können etwa eitrige Mandeln oder grünlicher Auswurf sein. Das ist mit dem Arzt zu klären. Er kann auch Labormethoden einsetzen – etwa Schnelltests auf Streptokokken bei Infekten mit Halsschmerzen – oder ein Antibiogramm. Dazu nimmt er eine Probe vom Patienten. Mit einem Nährmedium versetzt, zeigt sie im Labor, ob und welche Antibiotika gegen die Erreger wirken.

Mythos 2 – Antibiotika machen mich resistent

Das ist nicht korrekt ausgedrückt, aber wichtig. Der menschliche Körper gewöhnt sich nicht an Antibiotika – Bakterien schon. Manche werden widerstandsfähig (resistent) gegen die Arzneien. Das passiert oft durch zufällige Mutationen im Erbgut der Erreger, die sie an ihre Nachkommen weitergeben. Resistente Keime können schwere Infektionen verursachen, weil ursprünglich hilfreiche Medikamente nichts mehr gegen sie ausrichten. Antibiotika sollten daher nicht unnötig genommen werden, damit sie wirksam bleiben.

Fleisch ist belastet. Auch Nutztiere erhalten teilweise Antibiotika. Entsprechend wurden in vielen Fleischproben resistente Keime entdeckt, so bei unserem Test von Hähnchenschenkeln. Von dort können die Erreger auf Menschen übergehen. Küchenhygiene schützt, dazu zählt: Hände vor und nach der Zubereitung von Speisen waschen und Fleisch gut kochen oder durchbraten. Das tötet Keime ab – auch resistente.

Mythos 3 – Antibiotika gehören in jede Haus­apotheke

Falsch. Antibiotika sind nicht ohne Grund rezeptpflichtig. Der Arzt muss im konkreten Krankheitsfall entscheiden, ob ein Antibiotikum erforderlich ist – und gegen welche Bakterien. Patienten sollten übrig gebliebene Antibiotika daher auch nicht aufheben und schon gar nicht an Dritte weitergeben. Selbst wenn jemand an ganz ähnlichen Symptomen leidet, könnten andere Erreger die Ursache sein.

Sicher entsorgen. Alte oder überzählige Arzneien gehören nicht in den Abfluss oder die Toilette. Kläranlagen entfernen sie nicht komplett. Dann können sie Gewässer, Tiere und Pflanzen belasten. Antibiotika zum Beispiel begünstigen womöglich draußen in der Natur die Bildung resistenter Bakterien. Sicherer entsorgen lassen sich Medikamente mit dem Hausmüll, der meist verbrannt wird. Der Königsweg: Altarzneimittel bei Schadstoffsammelstellen oder Apotheken abgeben – allerdings ist das nicht überall möglich.

Mythos 4 – Antibiotika sind gefährliche Arzneien

Das ist stark übertrieben. Antibiotika sind nicht riskanter als andere Medikamente, können aber durchaus Nebenwirkungen verursachen: etwa Allergien, Hautausschläge oder Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall.

Darm ist gestresst. Im menschlichen Darm leben Hunderte verschiedener Bakterienarten. Sie leisten dem Körper wertvolle Dienste, etwa bei der Verdauung. Oft unterscheidet ein Antibiotikum nicht zwischen den nützlichen und schädlichen Keimen, es zieht also auch gesunde Darmbewohner in Mitleidenschaft. Nach der Behandlung erholt sich die Besiedelung in aller Regel wieder. Mittel zum „Aufbau der Darmflora“, etwa mit Milchsäurebakterien oder Hefepilzen, können laut Studien möglicherweise dabei helfen. Manche Experten empfehlen, wegen der enthaltenen Bakterien viel Joghurt zu essen – beispielsweise Naturjoghurt.

Kinder sind empfindlich. Bei kleinen Kindern entwickelt sich die Darmflora noch. Wenn sie oft Antibiotika bekommen, könnte sich das negativ auswirken, auch langfristig. Zu den möglichen Folgen zählen Übergewicht und Asthma, lässt eine Studie im Fachjournal Nature Communications aus dem Jahr 2016 vermuten. Besonders hoch war das Risiko bei Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin. Das ist natürlich kein Grund, im Ernstfall kein Antibiotikum zu geben. Doch sollten Eltern und Ärzte gut abwägen, ob es wirklich notwendig ist. Bei Atemwegsinfekten, die bei Kindern besonders oft auftreten, nützt es ohnehin meist nichts (siehe Mythos 1).

Mythos 5 – Antibiotika sind die reinsten Chemiekeulen

Das stimmt nicht. Die meisten Antibiotika sind natürlichen Ursprungs. Das erste breit genutzte Antibiotikum, Penicillin, stammt aus Schimmelpilzen der Gattung Penicillium. Als Entdecker gilt der Mikrobiologe Alexander Fleming. Er experimentierte 1928 mit Bakterien und bemerkte zufällig, dass eine seiner Kulturen mit dem Pilz verunreinigt war – genau in diesem Bereich wuchsen keine Keime. Auch viele andere Antibiotika sind Naturstoffe aus Pilzen oder anderen Mikroorganismen. Manche werden heutzutage chemisch abgewandelt oder komplett synthetisch produziert.

Effekte unterscheiden sich. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Antibiotika. Sie lassen sich je nach Struktur und Wirkweise in Gruppen einteilen und haben unterschiedliche Angriffspunkte in Bakterienzellen. Manche bekämpfen nur bestimmte Erreger – andere, sogenannte Breitbandantibiotika, viele verschiedene. Daher ist es wichtig, dass der Arzt ein passendes Mittel auswählt.

Mythos 6 – Wer sich besser fühlt, kann sein Antibiotikum absetzen

Das ist nicht richtig. Viele Antibiotika wirken schnell und drücken die Zahl der krankmachenden Keime zügig so stark herunter, dass Patienten kaum noch Symptome spüren. Das heißt aber nicht automatisch, dass die Bakterien bereits komplett beseitigt sind. Überlebende können sich beim Absetzen der Arznei wieder ungestört vermehren, also mit voller Wucht zurückkommen.

Ausreichend Zeit geben. Auch resistente Keime (siehe Mythos 2) scheint es zu fördern, wenn Antibiotika zu kurz oder zu niedrig dosiert eingesetzt werden. Patienten sollten die Mittel daher so lange nehmen, wie mit dem Arzt besprochen. Oft heißt das: bis zum Ende der Packung. Ebenfalls wichtig sind die zeitlichen Abstände. „1 x täglich“ heißt ungefähr alle 24 Stunden einnehmen, „2 x täglich“ oder „3 x täglich“ entsprechend etwa alle zwölf beziehungsweise acht Stunden. So bleiben die Konzentrationen des Antibiotikums im Blut konstant – das ist gut für die Wirkung.

Mythos 7 – Antibiotika vertragen sich nicht mit Milch

So pauschal stimmt das nicht. Das gilt nur für manche Antibiotika, zum Beispiel für die Wirkstoffe Tetracyklin, Doxycyklin, Minocyklin oder Ciprofloxacin und Norfloxacin. Solche Substanzen können mit Kalzium aus Milch im Magen und Darm schwer lösliche Verbindungen eingehen. Das behindert die Aufnahme der Mittel ins Blut und lässt sie schwächer wirken. Daher: Vor und nach der Einnahme mindestens zwei Stunden auf Milch verzichten – auch auf kalziumreiches Mineralwasser und Milchprodukte wie Käse, Quark oder Joghurt. Grundsätzlich schluckt man Antibiotika – egal welche – am besten mit einem großen Glas Leitungswasser.

Den Beipackzettel lesen. Viele weitere Wechselwirkungen sind möglich, daher: Beipackzettel beachten. Teils sind Antibiotika zum Beispiel zur Mahlzeit zu nehmen, teils mit etwas Abstand vorher oder nachher. Wichtig für Frauen: Die Mittel können die verhütende Wirkung der Pille mindern, etwa weil sie die Darmflora (siehe Mythos 4) und damit die Aufnahme der Hormone beeinträchtigen. Während der Therapie daher gegebenenfalls zusätzlich mit Kondomen schützen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Manche Antibiotika vertragen sich nicht mit Alkohol. Er wirkt zum Beispiel zusammen mit Metronidazol oft weit­aus stärker als gewöhnlich. Weil Alkohol Organe und Gewebe zusätzlich strapazieren und daher die Genesung behindern kann, raten manche Mediziner grundsätzlich davon ab, solange Patienten ein Antibiotikum einnehmen – egal um welchen Wirkstoff es sich handelt.


08.02.2017

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